16. April 2020 Friederike

Liebe Politik… wir „verheiraten“ nicht aus Jux!

Ich weiß, ich weiß, die Artikel und Beiträge, die nicht nur „fancy“ sind und mit Konfetti werfen, werden ein wenig mehr. Das ist nicht besonders schwierig, wenn wir bedenken, dass es sie früher in meinem Blog einfach gar nicht gab. Da ging es einfach um die schöne Seite der freien Trauungen, Hochzeiten und des Lebens. Und das soll natürlich auch weiterhin und wieder so sein. Heute muss ich allerdings mal eine Kleinigkeit klarstellen.

Wie immer, erstmal Pinterestbild zum Merken und Später-lesen… und dann geht`s los 😉

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Ich „verheirate“.

Der 12.04.2013 veränderte mein Leben. Denn an diesem Tag durfte ich zwei Menschen mit einer freien Trauung in den Bund der Ehe begleiten. Und was hat sich dadurch alles geändert! Mein Umsatz als Unternehmerin hat sich deutlich gemausert, so dass ich jetzt ziemlich hohe Steuern, ziemlich hohe Krankenversicherungsbeiträge (Höchstsatz übrigens) und natürlich auch IHK, GEZ etc. bezahle und natürlich auch meine Altersvorsorge durch Hochzeiten bestreite. Ich werde davon nicht reich, führe kein besonders luxuriöses Leben, aber: Mein Leben sind Hochzeiten. Durch und durch und vollkommen.

Und ja, mein Job ist das Wundervollste, was mir je hätte passieren können, ich bin mit ihm verheiratet und liebe ihn durch und durch. Ich kann, will und werde mir nicht vorstellen, nochmal was vollkommen anderes machen zu müssen als meine Brautpaare als Hochzeitsrednerin zu begleiten. Denn Hochzeiten, freie Trauungen im Besonderen, sind einfach – für mich – in jeglicher Hinsicht wundervoll. Wirtschaftlich, aber auch in jedem anderen Bereich. Denn, sie halten mich als chronisch kranke Person, immer wieder über Wasser, sorgen dafür, dass ich mehr auf mich achte, als ich das sonst tun würde und und und und und. Ich bin hauptberufliche Hochzeitsrednerin. Und egal wie viel Leidenschaft ich mitbringe, so gilt doch zumindest eines ganz klar ebenfalls:

Ich verheirate nicht aus Jux!

So wie mir geht es einem ganzen Haufen Menschen – einer ganzen Branche.

Ich bin eine von unzähligen Solo-Selbständigen oder kleinen Unternehmen, die Hochzeiten möglich machen. Dazu gehören Locations, Caterer, spezialisierte Hochzeitsfotografen, Kolleginnen und Kollegen die als Traurednerinnen oder Hochzeitsrednerinnen unter die Haube bringen aber auch Floristen, Visagisten, Friseure, Dekorateure, Verleiher, Brautmoden, Herrenausstatter, Hochzeitsbedarfsshops, Grafiker für Hochzeitspapeterie, Konditoren, Bäckereien,

Und damit auch Folgendes möglich machen:

In Deutschland wurden laut des statistischen Bundesamtes in den fünf Jahren 2014-2018 im Jahr durchschnittlich 410.587 Eheschließungen vorgenommen.

Und bei dieser Masse an privater Feiern ob groß oder klein wird natürlich eine Menge Umsatz generiert. In Zahlen hat das die Welt besonders schön in einem Artikel vom 02.11.2018 zusammengefasst:

„[…] laut Statista geben 26 Prozent der befragten Deutschen 5000 bis 10.000 Euro aus und immerhin neun Prozent tatsächlich 10.000 bis 25.000 Euro. Das Online-Marktforschungsinstitut promio.net hat 2016 1000 Deutsche nach ihren Hochzeitskosten befragt, hier kam ein Mittelwert von 6500 Euro raus. Die digitale Hochzeitsplanungsagentur „WonderWed“ hat die gesamte Hochzeitssaison 2018 analysiert und gefragt: Wieviel geben deutsche Paare im Durchschnitt für ihre Hochzeit aus? Ihr Ergebnis liegt auch unter den 25.000 Euro, aber nicht viel. Laut der Auswertung ihrer Daten (also der Hochzeiten, die mit ihrem Dienst geplant wurden) kostet eine durchschnittliche Hochzeit im Jahr 2018 18.685 Euro. So unterscheiden sich die Angaben der Paare natürlich stark nach ausgewählter und befragter Gruppe“.

Für 2020 gibt es dafür bisher eine Statistik von der Kartenmacherei, die seit 2017 bereits eine große Hochzeitsstudie rausgibt.

Quelle: Hochzeitsstudie 2020 der www.kartenmacherei.de

Das macht einen über den Daumen gepeilten Mittelwert von 8877€ pro Hochzeit. Und hey, bei der Menge an Eheschließungen landen wir dann einfach mal bei einem Gesamtmarkt in Höhe von 3.644.780.799€.

Wir reden also von einer Branche – der Hochzeitsbranche – die dreienhalb Milliarden Euro im Jahr umsetzt. So grob geschätzt.

Und ich bin mir sicher, viele von meinen Kolleginnen und Kollegen stehen ähnlich zu Hochzeiten, wie ich das tue.

Hochzeiten sind unser Leben!

Und jetzt versteht mich nicht falsch: Ich bin eindeutig FÜR die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus. Ich bin ja selbst ein Teil der #Risikogruppe und werde in Selbstisolation sowieso das Haus bis zur Verfügbarkeit des Impfstoffes sowieso nur zu meinen Hochzeiten verlassen können und wollen um mich selbst zu schützen. Ich bin eindeutig FÜR all die Maßnahmen, die beschlossen wurden und werden.

Ich verstehe auch, dass es noch viel mehr Interessen als nur die gibt, die ich sehe. Ich kann, will und werde auch weiterhin viele Dinge nicht erfassen und be- oder noch schlimmer verurteilen, die einfach nicht in meinem Ermessen liegen. Dafür traf ich meine Entscheidung bereits an der Wahlurne und bin heilfroh, dass all diese großen Entscheidungen, die derzeit getroffen werden müssen nicht auf meinen Schultern liegen.

Ich verstehe ebenfalls, dass nicht alle Entscheidungen sofort getroffen werden können. Dass auch Ministerpräsidenten und unsere Kanzlerin mal durchschnaufen müssen und wir nicht sofort auf alles Antworten erwarten können. Viele Dinge werden auch Wissenschaftler und Gelehrte erst mit der Zeit feststellen und auf diesen Erkenntnissen müssen dann vielleicht auch Lockerungen wieder zurückgenommen werden. Ich verstehe, dass die Politik diese Unsicherheiten gar nicht erst schaffen möchte und lieber sagt „lasst uns abwarten, wir schauen, was jetzt passiert, wenn wir ein paar Dinge lockern und können dann wieder nachjustieren. Wir wollen nicht zu viel versprechen, was wir dann nicht halten können“.

Ich verstehe, dass man in einer Videokonferenz, die eh schon mehr als fünf Stunden dauerte erstmal die grundlegenden Dinge besprechen musste und eben einfach nicht alles auf ein Mal besprechen kann. Dass unsere Brautpaare und wir als komplette Hochzeitsbranche warten müssen – genau wie alle anderen – um Menschen zu schützen ist vollkommen klar. Dass unsere Politiker auch nur Menschen sind, die im Moment einfach auch genau nicht wissen, wie es weitergeht oder weitergehen kann und jetzt auch erstmal abwarten müssen, wie die Pandemie sich weiter entwickelt.

Das verstehe ich alles.

Aber: Nehmt uns Ernst!

Was ich aber nicht verstehe ist die Tatsache, dass wir einfach nicht Ernst genommen werden und im Wald stehengelassen werden.

Denn wenn der Gesundheitsminister von NRW Karl-Josef Laumann im Land NRW bei gefragt wird nach privaten Feiern wie zum Beispiel Hochzeiten, dann geht es nicht nur darum, dass er alles schon gesehen hätte oder dass man sich das Sakrament der Ehe ja immer abholen könne… (jetzt erstmal diesen Ausschnitt anmachen ;))

https://youtu.be/dK9gXL0y9aI?t=4278
Bei 1:11:18 beginnt der Ausschnitt, der mich ärgert, falls der Player nicht direkt die richtige Stelle anzeigt 😉

Wenn der gute Mann also SO reagiert oder andere Ministerpräsidenten einfach gar nicht antworten beim Thema kleinere Veranstaltungen, obwohl sie darauf angesprochen werden, dann ist das nicht fair und – ehrlich gesagt – ein respektloser Schlag ins Gesicht. Und dann ist das symptomatisch für viele ähnliche Äußerungen der letzten Tage, die mich, bei allem Verständnis dann eben doch sauer machen.

Denn es geht eben nicht „nur“ um Brautpaare, die einen höchst emotionalen Moment ihres Lebens seit Jahren planen und jetzt im Ungewissen sitzen. Dann geht es nicht „nur“ um viel Geld der Brautpaare, das sie mit viel Mühe zusammengespart haben, um sich ihre ganz persönliche Traumhochzeit leisten zu können. Dann geht es nicht „nur“ um Dinge, die er sich bei seinem Alter und einer Hochzeit in einer ganz anderen Zeit gar nicht vorstellen kann…

Es geht um Existenzen im Wert von dreieinhalb Milliarden Euro!!!

Dann geht es um meine wundervollen Kolleginnen und Kollegen aus der Hochzeitsbranche, die derzeit selten Anspruch auf Soforthilfe haben, weil sie auch sonst am Existenzminimum arbeiten und sich grad so über Wasser halten können. Weil sie ihre Unternehmen vielleicht sowieso immer von zuhause führen und penibel auf ihre Liquidität achten, jetzt aber ihre wegfallenden Einnahmen nicht mit der Soforthilfe auffangen dürfen. Dann geht es um Menschen, die kein Hartz4 beantragen möchten oder können, weil trotz aller Versprechungen dann ihre Altersvorsorge erst aufgebraucht werden müsste. Dann geht es um viele wundervolle Spezialisten, die nichts anderes tun, als Menschen glücklich zu machen.

Da geht es eben nicht „nur“ um Hochzeiten.

Denn, nur um das mal zu erwähnen: Wir erwirtschaften den größten Anteil dieses riesengroßen Umsatzes in nur sechs Monaten Hochzeitssaison. Und die steht uns grad erst bevor. Wir kommen also gerade aus der umsatzärmsten Zeit des Jahres und mit dem Rücken an der Wand. Alle miteinander!

Wie gesagt, ich verstehe all das und finde die Maßnahmen angemessen. Ich weiß, dass wir alle keine Glaskugel haben und alle zusammenhalten müssen, alles ganz klar… darum geht es mir nicht.

Es geht mir um Wertschätzung und Respekt. Denn wir sind eben nicht irgendeine Miniwinznische oder sowas… wir sind ein milliardenschwerer Markt.

Und da ist eine solche Reaktion einfach komplett unangemessen!

Denn:

Wir verheiraten nicht aus Jux! Hochzeiten sind unser Leben!

In diesem Sinne, wünsche ich uns allen einen langen Atem, viel Durchhaltevermögen und Sitzfleisch.

Und bald wieder ein paar Hochzeiten, denn ich muss ganz klar sagen, neben den Einnahmen, die mir wegbrechen, der Ungewissheit, dem Gefühl nicht Ernst genommen zu werden, weil wir als Hochzeitsbranche einfach auch in den Medien nicht vorkommen, vermisse ich vor allem eines:

Hochzeiten und meine Brautpaare!

Also wünsche ich mir wirklich Hochzeiten. Wirklich wirklich wirklich. Für ganz viel Liebe ohne Viren in der Luft ♥

Habt trotz allem einen wunderbaren Abend. Oder wie ich gestern meinen Brautpaaren schrieb:

Egal was kommt, ich freu mich tierisch auf Eure Hochzeit und darauf mit Euch die Party des Jahrhunderts zu feiern, egal ob zu dritt zu Hause auf dem Sofa oder mit der ganz großen Sause. Denn am Ende ist doch das Wichtigste, dass Ihr Euch habt und behalten dürft. Damit Ihr Euren Enkeln dann erzählen könnt, wie aufregend das damals war mit der Hochzeit in Zeiten von Corona.

Wir kriegen das gemeinsam schon hin, da bin ich mir sicher ♥️

Und jetzt: Nachrichten aus, tief durchatmen und eine Flasche Wein killen oder so. Oder habt Sex, das geht schließlich immer und lenkt ab 😉

freie trauung in kanada von friederike delong der trautante von hochzeitsfotograf steven herrschaft

 

 

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Comments (2)

  1. Du hast es super auf den Punkt gebracht! Toller Artikel von dir!

    Hoffen wir alle, dass diese Krise so schnell wie möglich überwunden ist…

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